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Lebensweg

„Bestimmt haben es Komponisten, die von Jugend an dieselben bleiben, leichter. Aber ist das richtig? Jeder von uns entwickelt sich weiter... Ich habe mir nie vorgenommen ,wie' zu komponieren; nur ,was'! - Es war die Natur der Einfälle, die zum ,wie' geführt hat. Bei einem Menschen wie mir, der fast sein ganzes Leben auf Reisen war, ist es nur natürlich, dass er überall dort Eindrücke aufgenommen und verarbeitet hat, wo er gelebt hat. Ägypten, die Philippinen, Japan, China: diese Länder vermittelten Ideen, die sich im Schaffen widerspiegeln... Jedenfalls würde es mir nie einfallen, einen guten Gedanken einem bestimmten Stil zu opfern, sei er altmodisch oder avantgardistisch. Es kommt meines Erachtens auf die Aussage an. Und jeder Gedanke, jedes einzelne Werk verlangt seine spezifische Technik und eigengeprägte stilistische Mittel zu ihrer Verwirklichung..."

Diese Notizen von Jenö Takács aus dem Jahr 1976 (zitiert nach Wolfgang Suppan: Jenö Takács. Dokumente, Analysen, Kommentare. Burgenländisches Landesarchiv, Eisenstadt 1977) beschreiben zugleich das auffälligste Merkmal in seinem Ouvre, die Stilvielfalt, als auch wesentliche Aspekte seines gesamten Schaffens. In relativ deutlich voneinander abgegrenzten Abschnitten begannen jeweils von prägnanten Merkmalen dominierte Phasen, in denen aber auch durchgehend präsente Elemente vertreten sind: Zu der impressionistischen Färbung und den Einflüssen ungarischer Volksmusik in Takács frühesten Werken, z. B. der Sonatine für Klavier op. 2 (1920/23), kam in Folge des Unterrichts bei Joseph Marx strenge kontrapunktisch-thematische Arbeit. Der ungarische Einfluss (Thematik, Rhythmik, Bitonalität) verstärkte sich durch die persönliche Bekanntschaft mit Béla Bartók.

In Ägypten begann eine neue Schaffensphase, in der Takács Elemente der arabischen Musik in eigene Kompositionen einarbeitete, indem er die Spieltechniken traditioneller arabischer Instrumente, die Melodik und den improvisationsartigen Charakter dieser Musik nachahmte, z. B. in der Suite Arabe für zwei Klaviere op. 15 (1929) oder in Goumbri für Violine und Klavier op.20 (1931). Aus der vielfältigen Beschäftigung mit Volksmusik entstand auch der populäre Klavierzyklus für Kinder Von fremden Ländern und Menschen op. 37 (1936). Hauptwerk dieser zweiten Schaffensphase ist die virtuose Tarantella für Klavier und Orchester op. 39 (1937). In der ungarischen Schaffensphase der 40er-Jahre entstanden u. a. die Suite altungarischer Tänze für Orchester op. 42 (1946) und Antiqua Hungarica für großes Orchester op. 47 (1941), in denen er auf altes ungarisch Liedgut zurückgriff und dieses kunstvoll instrumentierte, ohne melodisch, rhythmisch oder harmonisch tief greifende Veränderungen vorzunehmen. Um 1949 begann eine betonte Hinwendung zur klassischen Formenwelt. Es entstanden u. a. zahlreiche Partiten und Toccaten. Als Folge der Lehrtätigkeit in den USA erwachte erstmals seit der Studienzeit wieder Takács' Interesse an der 2. Wiener Schule: Mit der Partita für Klavier solo op. 58 (1954) entstand sein einziges deklariert dodekaphones Stück. In der Passacaglia für Streichorchester op. 73 (1960) experimentierte der Komponist u. a. mit seriellen Elementen. Mitte der 1960er-Jahre erfolgte eine deutlichere Abkehr von traditioneller tonaler Bindung und eine verstärkte Zuwendung zu Methoden der damaligen Avantgarde, etwa in den Dialogen für Violine und Gitarre op. 77 (1963), die sich serieller Komposition annähern und Vortragsbezeichnungen aus dem außermusikalischen Bereich sowie Geräuschelemente enthalten, oder in den Cluster und aleatorische Elemente einbeziehenden Essays in Sound für Klarinette und Klavier op. 84 (1967). Daneben erfolgten weitere Volksmusikbearbeitungen, wie die Serenade nach Alt-Grazer Kontratänzen für Orchester op.83 (1966, auch mehrere Arrangements) und pädagogische Werke. Die Werke der 1980er- und 1990er-Jahre sind von einer Synthese der Elemente der verschiedenen Schaffensphasen geprägt. Es entstanden eine Vielzahl von Bearbeitungen früherer Werke in neuen Instrumentierungen. Mit Vorliebe erfolgten auch Stilisierungen im Geiste von Komponisten des Barock oder der Klassik, z. B. Joseph Haydns in der Sinfonia breve für Orchester op. 108 (1981) oder Henry Purcells in der Streichorchestersuite Purcelliana (1993/94). Aus Takács' musikpublizistischem Wirken, sei vor allem die Autobiographie Erinnerungen, Erlebnisse, Begegnungen (1990) genannt.

Christian Heindl

 
 
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